Wilhelmshorst

Die Waldgemeinde in Brandenburg

Wilhelmshorster beklagen Triumph der Kettensäge

In der Waldgemeinde Wilhelmshorst wird erneut der Triumph der Kettensäge beklagt. Getroffen hat es dieses Mal eine besondere Schöpfung der Natur: drei zusammenstehende, eng verschlungene Kiefern.

Sie gehören zu den wenigen Wilhelmshorster Solitären. Künstler haben dieses Naturwerk auf Leinwand gebannt und in Ausstellungen präsentiert. Hiesige Lyriker wie Peter Huchel oder Lutz Seiler führten das Wilhelmshorster „Kieferngewölbe“ sogar in die deutsche Literatur ein.

Das alles war einmal: Vor einigen Tagen wütete am Rosenweg 34 (Ecke Fliederhang) die Kettensäge, wie Anlieger berichten. Übrig geblieben sind von den umschlungenen Kiefern nur noch ein paar Baum-stümpfe. Laut Michendorfer Ordnungsamt war die Fällung legal. Das Okay dafür kam von der Gemeinde im Rahmen der Baugenehmigung, die wiederum vom Landkreis erteilt wurde. Auf dem Grundstück soll ein Wohnhaus errichtet werden, die Bäume standen dem Bauvorhaben offensichtlich im Weg. Unter Naturschutz standen sie aber nicht. „Wir haben auch noch einmal den aktuellen Stand vom Landkreis angefordert und keinen Nachweis dafür gefunden“, so Bettina Krämer, derzeit amtierende Leiterin des Ordnungsamtes. Auf Privatgrundstücken in Wilhelmshorst gebe es aktuell gar keine Bäume, die unter Schutz stehen, sagte sie.

Vor der Fällung hatten sich ein Gutachter und der Baumschutzbeauftragte die Kiefern angeschaut. „Beide sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bäume krank waren“, sagte der Wilhelmshorster Ortsbürgermeister Gerd Sommerlatte gestern der MAZ.

Eine Sichtprüfung der abgesägten Stämme ließ bei Wilhelmshorster Bürgern indes Zweifel an dieser Diagnose aufkommen. Weil so gut wie baumfrei geschlagene Grundstücke in der „Waldsiedlung“ inzwischen keine Einzelfälle mehr sind, wollen sich einige von ihnen jetzt organisieren – gegen unnötige Fällaktionen und für die Bewahrung des Ortsbildes, sagte der Maler und Physiker Horst Halling. Er selbst hatte das nun verschwundene Wilhelmshorster Solitär vor einiger Zeit auf Leinwand festgehalten. Halling berichtete auch von einer anderen Merkwürdigkeit. Im Zuge der Fällaktion sei ein etwa zwei Meter hoher historischer Straßenschild-Betonpfahl verschwunden. Er stammt aus der Zeit, als der berühmte Berliner Architekt Professor Albert Gessner unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg den südlichen Ortsteil von Wilhelmshorst plante und bauen ließ. Gessners städtebauliches Ensemble vom Irisgrund bis zum Bahnhof steht unter Denkmalschutz.

Standort der Stele: der öffentliche Bürgersteig am Grundstück Rosenweg 34. Weder im Bau- noch im Ordnungsamt war etwas von ihrem Verschwinden bekannt. Laut Halling tauchte die Stele wenige Tage später unverhofft wieder auf, aber nun versetzt: im Fliederhang. MAZ[Gr. Bericht mit Foto, MAZ 3.11.07]

Kommentare sind geschlossen.