Wilhelmshorst

Die Waldgemeinde in Brandenburg

Kampf um den Wald in Michendorf-West

Im Ringen um die Waldfläche in Michendorf-West wird es zur entscheidenden Gemeindevertretersitzung am Montag einen letzten politischen Vorstoß geben, den Waldcharakter des Viertels doch noch im Flächennutzungsplan (FNP) dauerhaft festzuschreiben.

Wie berichtet, plädierte zuletzt eine Abgeordnetenmehrheit dafür, das Areal nicht als Wald, sondern als „Wohnbaufläche mit hohem Grünanteil“ auszuweisen. Einige Abgeordnete hatten sich bei der Abstimmung moralisch gebunden gefühlt, weil ein Eigentümer sein Areal dort einst über einen Grundstückstausch von der Gemeinde erhielt – in dem Glauben, dass darauf eine Bebauung möglich ist. Die Grünen-Fraktion wird nun am Montag den Kompromiss-Vorschlag einbringen, wenigstens die kommunalen Flächen des Gebiets als Wald darzustellen. Für den Grünen-Abgeordneten Andre Halpap käme dieser Kompromiss allen Seiten entgegen. CDU-Landtagsabgeordnete Saskia Funk sah sich das Areal selbst an und unterstützt zumindest die Forderung, „dass auf den kommunalen Flächen der Waldcharakter erhalten bleibt“.

Eine Bürgerinitiative kämpft dafür, dass die gesamten 10 000 Quadratmeter zwischen Rotdorn-, Kiefern- und Ahornallee in den Gemeindeplänen Wald bleiben. „Die Bürger in Michendorf-West stehen zu dem Wald“, sagte Egbert Lipowski, Vorsitzender der Initiative. Ein Beleg dafür: Über 100 Leute unterschrieben die Forderung. Für Lipowski steht die Identität des Viertels auf dem Spiel. „Die Leute, die Michendorf-West als Gartenstadt gründeten, hatten eine Vision.“ Er vergleicht den Siedlungscharakter mit dem von Wilhelmshorst. Und: „Den Wald haben unsere Urgroßeltern gepflanzt. Es braucht 100 Jahre, bis es wieder so aussehen würde“, so Initiativen-Sprecher Klaus-Jürgen Hager.

Die Furcht vor einem Kahlschlag hatte eine Abgeordneten-Mehrheit mit dem Argument auszuräumen versucht, dass die meisten Flächen der Kommune gehören, die kein Interesse habe, den Wald zu roden. „Wenn man der Meinung ist, den Charakter dauerhaft bewahren zu wollen, dann sollte man dies in den eigenen Plänen auch deutlich machen“, erwidert Halpap.

Er erinnert an den Bebauungsplan für Michendorf-West, mit dem die Kommune den Waldcharakter erhalten will. Aber auch in diesem Plan taucht die Fläche neuerdings als Bauland auf. Bleiben FNP und B-Plan so, „schafft man die Möglichkeit, zu bauen“, so Halpap. Hinter dem Vorstoß vermutet er die „Ideologie“ von Planern, möglichst alle Flächen zu arrondieren (abzurunden). Entstehen sollen Pläne ohne Ecken und Kanten. „Aber gerade die Verzahnung von Grün-, Wald- und Wohnflächen macht unsere Gemeinde aus“, so Halpap. Die Abgeordneten sollten sich entschließen, „auch mal eine kleine Zacke im Plan zu lassen. Die Bürger wollen das so“(. jst) [Gr. Bericht mit Grafik, MAZ 28.3.08]

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